Stimmung!

Eine Abendunterhaltung – nicht in unserer Bar! Wir hoffen inbrünstig, dass unser Publikum gelernt hat, sich solchen Reflexen entgegen zu stellen.

Jonny Buchardt – Wie ist denn die Stimmung heute Abend? (1973)

Ein ehemals hochrangiger Angehöriger unseres Militärs hat mir einmal erzählt, wie er als junger Mann in Wien am Strassenrand stand, als Hitler einfuhr, und wie sich dabei sein Arm unwillkürlich zum Gruss erhob. Mein Vertrauen in unsere Armee war dahin. Braucht man also nur etwas suggestives Trara zu veranstalten und schon hat man den Führungsstab unter seine Kontrolle gebracht?
Eigentlich hatten wir von Schuld gesprochen. Ich hatte argumentiert, dass weniger der Anführer, der vorne „Wollt ihr den totalen Krieg?“ ruft, die Schuld trägt, als vielmehr die Hunderttausend, die „Ja“ zurück brüllen.
Meine Gegenüber, beide Kriegsteilnehmer, versuchten sich reinzuwaschen. Das fing mit den bekannten Ausreden an – Konventionen, Gruppenzwänge und Befehle. Es wurde etwas ehrlicher, als sie von den Verführungen sprachen. Am Wahrhaftigsten erschien mir die Marionettengeschichte mit der verlorenen Kontrolle über den eigenen Arm. Allerdings war sie auch so deprimierend.
Handeln bringt immer die eigene Verantwortung für die Folgen mit sich, und zivilisiertes Verhalten muss fortwährend errungen werden gegen den Sog der Barbarei. Wir sind so leicht zu manipulieren, wir sollten daher immer auf der Hut vor uns sein.

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