Ein Besuch in Buhs Bar

BarMHertz_post_#Konkurrenten__BuhsBar_1__pic0_rosaBusenBlitzer_240x207Ich mache gerne Visiten bei der Konkurrenz, um Anregungen für unsere Bar zu sammeln. Buhs Bar gibt dabei das abschreckende Beispiel.

Ich war wohl zu früh dran. Die Tür war offen, aber es fand noch kein Barbetrieb statt. Ich wollte mich schon umwenden, als B. Uhsenkuck schnaufend daher stampfte, mich in den Arm schloss und hinein zog. Buh, wie er allgemein genannt wurde, war der Besitzer der Bar, und er war ein durchaus sympathischer Typ, jovial und grossherzig. Seine Bar hingegen war erbärmlich. Niemand kannte sie unter ihrem richtigen Namen, im Volksmund hiess sie einfach Buhs Bar, und das sollte sowohl auf die Busen, die gezeigt wurden, als auch auf das Niveau der Darstellung anspielen.

Ich kannte Buh schon länger. In meinen jungen Jahren hatte ich in seinem Etablissement gearbeitet. Das war auch damals schon ein verrufenes Lokal, in dem, wie allgemein gelästert wurde, nur Schwule, Lesben, Transvestiten und andere Spinner verkehrten. In Wirklichkeit war es eine gemütliche und anregende Szene, in der es vom grauen Verwaltungsangestellten bis zum skurrilen Selbstdarsteller alles gab. Ich habe damals ein reichlich entspanntes Verhältnis zum ganzen Treiben entwickelt und liebe Menschen kennengelernt. Für mich waren es lauter kleine Welten, da jede Spielart ihre eigene Ecke hatte, ihren eigenen Stammtisch.
Buh machte nach hetero- und homo- seine bisexuelle Phase durch und beschloss, mich zu verführen. Ich hatte eigentlich keine Lust auf einen älteren Mann, zumal mit Bart, aber auf ein Spielchen ging ich doch ein. Nach Feierabend liess ich mich von ihm in seine Wirtewohnung einladen und mit Whiskey-Cola abfüllen. Das ist eine furchtbare Mischung, aber sie hält wach und ist gut verträglich. Ich beschloss, dass es sicher war, solange ich die paar Meter bis zu mir noch auf allen Vieren kriechend hinter mich bringen konnte.
So habe ich manche Nacht auf Buhs Sofa verbracht und dabei lange Gespräche mit ihm geführt. Ich habe einen anderen Buh kennen gelernt. So erzählte er etwa viel von seinen zwei Kindern. Was kaum jemand wusste – Buh war verheiratet gewesen und dabei Vater geworden. Seine Frau muss seine Eskapaden wohl irgendwann leid gewesen sein, aber die beiden hatten ein leidliches Verhältnis und Buh hat seine Kinder jede Woche bei sich gehabt. Und auch dazwischen traf er sie, holte mal eines von der Schule ab oder ging an einen Match mit dem anderen.
So kommt es, dass ich Buh ganz gut kenne und ihm so einiges an seinem Auftritt verzeihen kann. Nun, womöglich spielt auch eine Rolle, dass ich es dann das eine Mal doch nicht mehr bis zur Tür schaffte und in Buhs Bett aufwachte. Für mich soll das im gnädigen Dunst des alkoholischen Vergessens ruhen, aber für Buh ist es bis heute der Anlass, mir freundschaftlich gesonnen zu sein.

Er erzählte mir, dass er gerade ein Casting für eine Barfrau abhielt und lud mich dazu, sagte, er würde meinen Rat schätzen. Ich war überrascht von seiner Offenheit und unsicher, ob ich mich darauf einlassen sollte. Mit einem Drink in der Hand würde ich es wohl durchstehen.

Wir setzten uns an einen der Tische und die erste Bewerberin wurde herein gerufen. Ohne Formalitäten fing Buh an, belanglose Fragen zu stellen. Er achtete kaum auf die Antworten und bald sollte ich das Interview übernehmen. Ich führte ein kurzes Gespräch mit Rosmarie, in dem sich herausstellte, dass sie eine erfahrene Kellnerin mit erstkklassigen Referenzen war. Weiter kam ich nicht, Buh unterbrach uns und forderte die Frau auf, ihre Brüste zu zeigen. Das schien auch Rosmarie zu überraschen und sie zögerte einen Moment. Mir war die Situation peinlich, aber stoppen konnte ich sie nicht mehr.

BarMHertz_post_#Konkurrenten__BuhsBar_1__pic1_PinkRosmarie hatte es nicht nötig, in dieser Absteige zu arbeiten, aber sie trat so entschlossen auf, dass ich annahm, dass es wohl einen triftigen Grund gab. Also antwortete ich, als Buh mich nach meiner Meinung fragte, dass ich Rosmarie empfehlen könne, sie sei vom Fach und auch sonst gut qualifiziert. Er schnalzte verächtlich, winkte ab und zischte: „Die trägt ja Pink!“

Als nächste kam Angela herein. Sie hatte wohl etwas mitbekommen, jedenfalls setzte sie sich gleich zu uns an den Tisch und harrte mit gesenktem Kopf der Dinge. Buh hielt sich gar nicht lang mit Fragen auf, barsch hiess er sie den Busen her zu zeigen. Ohne weitere Regung kam Angela dem nach.

BarMHertz_post_#Konkurrenten__BuhsBar_1__pic2_AngelaBuh stiess einen leisen Pfiff aus und wandte sich mit breitem Grinsen zu mir. Seine Geste verstand ich als Aufforderung zum Gespräch, aber er wollte nur meine Meinung hören. Was sollte ich sagen? Sie gefiel mir ja auch, deshalb empfahl ich sie. Buh winkte ab: „Die liest heimlich!“

Als Judith hereinkam, wollte ich die Szene wenigstens ein bisschen entschärfen und verwickelte sie gleich in ein Gespräch. Aber auch Judith hatte wohl mitbekommen, wie es lief. Ihre Antworten gab sie unlustig und einsilbig. Sie schien nur auf Buh zu warten. „Zeig her, Mädchen“, gröhlte der auch schon bald dazwischen.

BarMHertz_post_#Konkurrenten__BuhsBar_1__pic3„Die spielt mit ihren Titten!“ war Buhs Resümee. Ihm hatte keine der Bewerberinnen gepasst und ich war froh, als ich mich endlich aus seiner Umklammerung lösen konnte. In was für einen peinlichen Alptraum hatte ich mich da hineinziehen lassen!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bild, Text abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ein Besuch in Buhs Bar

  1. Pingback: Eine Nachwirkung vom Besuch in Buhs Bar | Bar M.Hertz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s